Über mich und übers Nähen,

über Spielzeug im Allgemeinen

und (meine) Puppen im Besonderen

Mein Name ist Claudia Kohnen und ich freue mich, dass Du Pelles Puppenstube gefunden hast!

Puppen waren immer mein allerallerliebstes Spielzeug. Am liebsten mochte ich richtige Puppen, doch ich spielte auch sehr gern mit meinen Puppenhaus-Puppen und meinen Papierpuppen. Etwa mit fünf, sechs Jahren, habe ich angefangen, mir selbst erste Püppchen zu fertigen: aus Wollstrümpfen und Strumpfhosen, Wolle und Stoffresten.

Ich hatte sehr viele Puppen damals, und ihre Namen und Charaktere sind mir bis heute vertraut: Da war beispielsweise die braunhaarige Annette, eine Stehpuppe aus Plastik, die mir immer hochnäsig vorkam. Auch meine Babypuppen Olli und Isabelle waren aus Plastik und daher seltsam starr. Lieber mochte ich jene Puppen, die zumindest einen weichen Stoffbauch hatten, wie Lisa, ein Schildkröt-Schlummerle mit hellblauen Klimperaugen, und die schöne Natalie.

Schließlich bekam ich auch eine weiche Stoffpuppe, Emily. Eine Frau aus unserer Nachbarschaft hatte sie für mich genäht. Emily hatte hellblaue, aufgemalte Augen und dicke Zöpfe aus hellem Hanf. Sobald ich an Emily denke, habe ich den Hanfgeruch ihrer Haare in der Nase. Auf dem Bild unten kann man sehen, dass Emilys Haarfülle im Laufe der Jahre sehr gelitten hat.

 
 

 
Mit Emily kam der Wunsch, selbst richtige Puppen – also keine mehr aus Strümpfen und Co. – zu nähen. So habe ich mit 11 oder 12 Jahren meine erste Stoffpuppe genäht. Diese Puppen, die ich in meiner Jugendzeit nähte, waren denen, die ich heute fertige, bereits recht ähnlich. Schon damals gefielen mir die unaufdringlichen Gesichter der als Waldorfpuppen bekannten Stoffpuppen eigentlich besser. Da ich mir jedoch die Gestaltung des Gesichts, dem wohl wichtigsten Teil einer Puppe, noch nicht zutraute, verwandte ich für die Gesichter bemalte, stoffbezogene Plastikmasken aus dem Handarbeitsladen. Auf dem Bild sieht man eine Auswahl meiner Jugend-Puppen (sehen alle irgendwie gleich aus...).  
   

 

Auch heute noch sprechen mich die aufgestickten und anmutigen Gesichtchen von Waldorfpuppen sehr viel mehr an, vermitteln sie doch stets ein Gefühl von Wohlbehagen und Sanftheit im Betrachter. Daher nähe ich heute nur noch Puppen und Schmuser mit eben diesen einfachen, aufgestickten Gesichtern.
   

Mit 15, 16 Jahren besuchten meine Freundinnen und ich diverse Nähkurse, in denen wir sehr viel lernten, doch das Puppennähen hängte ich für die nächsten Jahre erst einmal an den Nagel. So nähte ich mit 18 Jahren meine vorerst letzten Puppen: eine ganz kleine für meine Oma, mit kurzen braunen Haaren und rotem Kleidchen und eine etwas größere mit langen Zöpfen für meine Cousine Birgit. In meinen Zwanzigern nähte ich noch so dies und das, doch während meines Studiums und der anschließenden Promotion suchte ich die Zerstreuung eher in anderen Dingen denn in der Näherei.

 

Seit einigen Jahren verbringe ich nun wieder sehr gerne und sehr viel Zeit an meiner Nähmaschine. Am liebsten nähe ich schöne Dinge für Babys und Kinder. Und am allerliebsten nähe ich Puppen – daran hat sich nichts geändert. Es macht mir unendlich viel Freude, ein Puppenkind mit ganz eigenem Charakter entstehen zu lassen. Besonders fasziniert mich dabei, dass ich aus einfachen Materialien wie Wolle und Stoffen etwas anfertige, das schließlich lebendig wirkt, ein eigenes Wesen hat; eben etwas, an das ein Kind sein Herz hängen kann.
   

Es ist mir immer ein großes Vergnügen, Farben, Wolle und Stoffe für Augen und Haare, für Kleidung und Stickerei, Frisur und Accessoires (Kindergartentasche, Kopftüchlein, Rucksack, Mützchen, Stiefel oder Schühchen) zusammenzustellen. Jedes kleine Puppenkind, das entsteht, ist ganz und gar einzigartig, ein Unikat eben.

 

Pelle, die Puppe meines Sohnes Kilian, ist fester Bestandteil seiner kleinen Alltagswelt:

auch Pelle hat Geburtstag, braucht ein Pflaster, wird im Buggy umher geschoben, hat einen Unfall oder bekommt ein Buch vorgelesen etc. Manchmal muss er abends mit ins Bett, manchmal wird er tagelang ignoriert, aber wichtig ist: Pelle ist immer da.
   

Ich wünsche mir, dass auch mein Sohn Jonathan, wenn er etwas älter ist, in seinem Kalle einen solchen Gefährten finden wird.

 
   

Meiner Meinung nach ist die Puppe mehr als ein bloßes Spielzeug. Sie ist Kindern ein Spiel- und Weggefährte. Dabei ist es egal ob es sich um einen Jungen oder ein Mädchen handelt: gerade kleine Kinder spielen gern das nach, was sie in ihrem kleinen, überschaubaren Alltag so erleben. Es geht also keinesfalls darum, beispielsweise aus einem kleinen Jungen eine Puppenmutti (was für ein Wort!) zumachen. Vielmehr geht es darum, einem Kind einen Gefährten für sein alltägliches Spiel an die Hand zu geben. Oft eignet sich dazu eine Puppe – als eine Art kleines Abbild des Menschen – besser als ein Stofftier oder irgendein Fantasiewesen.
So hat sich meine Begeisterung für die Puppe als Kinderspielzeug sowohl durch mein Studium und die Promotion, als auch durch meine Mutterschaft, noch intensiviert. Und ich freue mich sehr, wenn eine meiner Puppen einem Kind ein treuer und unaufdringlicher Gefährte sein kann.

 

Sehr empfehlen kann ich in diesem Kontext die Puppenbücher von Karin Neuschütz sowie Entscheidende Kinderjahre von Christiane Kutik. Beide Autorinnen geben auch anschauliche und wertvolle Tipps zur Wahl von richtigem und sinnvollem Spielzeug für Kinder im Allgemeinen.

 

So schockierend wie lesenswert ist in diesem Zusammenhang auch eine aktuelle Studie von ÖKO-TEST, in der Puppen untersucht wurden: "Von 15 getesteten Puppen rasseln zwölf durch. Lediglich ein 'befriedigendes' Produkt können wir bedingt empfehlen." (Quelle: ÖKO-TEST-Ausgabe Dezember 2007 ). Das heißt: von 15 untersuchten Puppen wurden 12 mit ungenügend bewertet (nachzulesen u.a. Jahrbuch Kleinkinder 2008 von ÖKO TEST). Auch Puppen von Käthe Kruse und Sigikid sowie die Puppe Lillifee von DIE SPIEGELBURG und Baby Annabell von ZAPF Creation wurden von ÖKO TEST mit ungenügend bewertet... Wer mehr lesen möchte: hier gehts zum Bericht

 
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